Warum innere Arbeit nicht immer ausreicht
- Sheila
- vor 7 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Auch wir, die andere Menschen auf ihrem Weg begleiten, Räume halten und Heilung auf feinen Ebenen ermöglichen, kommen irgendwann an einen Punkt, an dem wir selbst Hilfe annehmen dürfen.
Jahrelang hat mein Körper geflüstert. Ich habe ihm zugehört, verstanden und bin dennoch weitergegangen. Nun hat er seine Stimme so deutlich erhoben, dass ich nicht mehr ausweichen konnte und gezwungen war, mir so achtsam zu begegnen, wie ich es sonst für andere tue.
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Vor acht Jahren gab es einen kleinen Vorfall mit meiner rechten Schulter, kaum Schmerzen, keinen wirklichen Anlass, genauer hinzuschauen. Über die Jahre jedoch wuchs im Hintergrund langsam etwas heran, bis sich der Schmerz in den letzten Wochen so intensiv zeigte, dass er meinen Alltag massiv einschränkte und mich an meine körperliche und emotionale Grenze brachte.
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Über all die Jahre habe ich mich tief mit der spirituellen Bedeutung der rechten Schulter auseinandergesetzt und auf geistiger, emotionaler und energetischer Ebene gearbeitet, erkannt, gelöst und integriert. Es gibt kaum etwas, das ich über diese Zusammenhänge nicht reflektiert habe, und dennoch kam der Moment, an dem all dieses Wissen und innere Arbeiten nicht mehr ausreichten, weil der Körper sehr deutlich zeigte, dass es nun einen anderen Weg braucht.
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Letzten Sommer begab ich mich in eine intensive Behandlung bei einem Chinesen, getragen von der Hoffnung, dass sich etwas lösen und Heilung geschehen darf. Kaum war diese Phase abgeschlossen, wurde der Schmerz stärker, Tag für Tag, bis klar wurde, dass die persönliche Schmerzgrenze erreicht war. Irgendwann darf man anerkennen, dass es nicht mehr alleine geht und dass es weder ein Mangel an Vertrauen noch ein Scheitern ist, sich der Schulmedizin zuzuwenden.
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Gestern Morgen wusste ich noch nichts von einem operativen Eingriff. Nach der Überweisung meines Hausarztes und dem Röntgenbild reagierten die Ärzte schnell, bestellten mich in die Praxis und nur wenige Stunden später verliess ich diese noch ziemlich benommen, den Eingriff bereits hinter mir. Eine 4.2 cm grosse Kalkablagerung an der Aussenseite der Schulter hatte mir in den letzten Wochen buchstäblich den Boden unter den Füssen weggezogen. Auf dem Röntgenbild sieht diese Ablagerung aus wie eine Antenne. Eine, die mir deutlich mehr Schmerzen als Botschaften gesendet hat.
Nun darf Heilung geschehen, auch wenn noch nicht abschliessend klar ist, ob ein weiterer, grösserer Eingriff notwendig sein wird. Vielleicht darf jetzt die andere Antenne, die wesentlich feinere Verbindung nach innen, wieder freier wirken.
Was für mich bleibt, ist die ehrliche Essenz, dass gelebte Spiritualität den Körper mit einbezieht und innere Arbeit nicht immer den äusseren Schritt ersetzen kann. Beides darf sich ergänzen, wenn wir bereit sind, unsere Grenzen zu erkennen und uns tragen zu lassen. Nun beginnt eine Phase, in der meine mentale Stärke und meine innere Ausrichtung bewusst Raum bekommen dürfen. Ich arbeite dabei mit inneren Bildern, die meiner Schulter Impulse geben, genau das zu tun, was sie jetzt tun muss, damit Heilung geschehen kann und im besten Fall kein weiterer Eingriff notwendig wird.
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Diese Zeilen wollen kein Mitleid und keine Genesungswünsche. Sie wollen erinnern und dort berühren, wo etwas still erkannt werden darf. Vielleicht liest das gerade jemand, der glaubt, immer stark sein und alles alleine halten zu müssen. Du darfst wissen, dass auch das Annehmen von Hilfe ein Ausdruck von Kraft, Vertrauen und gelebter Menschlichkeit ist.
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