Die Sonnenkraft der Ringelblume
- Sheila

- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Die Ringelblume begleitet mich schon sehr lange. Bereits vor dreissig Jahren habe ich begonnen, Ringelblumensalben herzustellen, und tue das noch heute. Sie hat etwas Sonniges, Strahlendes in sich, und vielleicht wachsen deshalb in meinem Garten unzählige von ihnen, als hätten sie sich still verabredet. Jedes Jahr tauchen sie wieder auf und leuchten mir mit ihrem warmen Orange entgegen. Ich könnte sie stundenlang fotografieren. Immer wieder, aus verschiedenen Winkeln, weil jede Blüte ihre eigene Geschichte trägt und doch alle dieselbe Ruhe ausstrahlen. Sie ist wie ein kleines Universum aus Licht, Farbe und Stille, das mich jedes Mals auf Neue berührt.
Manche Pflanzen treten nicht in unser Leben, weil wir sie bewusst suchen. Sie sind einfach plötzlich da. Obwohl die Ringelblume schon lange Teil meines Alltags ist, rückte sie mir in einer Zeit, in der mein Körper Heilung fordert und Geduld lehrt, noch näher. In den Tagen rund um meine Schulteroperation war sie auf einmal immer da, einfach so, aus dem Nichts, vor meinem inneren Auge. Ohne dass ich sie gerufen hätte, zeigte sie sich immer wieder beharrlich.
Ich wollte verstehen, weshalb. Also begann ich tiefer zu spüren. Ich lauschte diesem inneren Bild und genau aus diesem Lauschen ist dieser Text entstanden. Die Botschaft der Ringelblume war klar und zugleich tröstlich: Ich bin da und du musst nichts tun. Es darf langsam gehen.

Von diesem Moment an begann ich, sie mit anderen Augen zu sehen. Nicht mehr nur als Pflanze in meinem Garten oder als bewährte Heilpflanze in meiner Arbeit, sondern als Begleiterin in einem sehr persönlichen Prozess. Je mehr ich mich ihr innerlich zuwandte, desto deutlicher wurde mir, dass ihre Präsenz weniger eine Antwort als vielmehr ein Dableiben war. Kein Tun, kein Müssen, kein Vorankommen. Nur ein stilles Mitgehen, während der Körper seinen eigenen Rhythmus wiederfindet. Und genau dort, in diesem Raum zwischen Warten und Vertrauen, begann sich ihre Bedeutung noch einmal tiefer zu entfalten.
In diesem Dableiben liegt eine besondere Form von Heilung. Die Ringelblume drängt sich nicht auf, sie erklärt nichts und gibt keine Anweisungen. Sie ist einfach da, Tag für Tag, Blüte für Blüte, als würde sie mit ihrer stillen Beständigkeit etwas im Inneren ordnen. Während der Körper Zeit braucht, um sich zu regenerieren, und der Geist lernen darf, Kontrolle loszulassen, bleibt sie präsent wie ein warmer Hintergrundton, der alles umhüllt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Je länger ich mich auf diese stille Begleitung einliess, desto klarer wurde mir, dass es bei Heilung nicht um ein Ziel geht, das erreicht werden muss. Es geht um Vertrauen und um das Zulassen von Pausen. Die Ringelblume verkörpert genau das. Sie blüht, wenn es Zeit ist, und zieht sich zurück, wenn es nötig ist. So wurde sie in diesen Tagen zu einer Erinnerung daran, dass auch ich nichts leisten muss, um heil zu werden. Mein Körper weiss, was zu tun ist, wenn ich ihm Raum gebe.
Wenn ich die Ringelblume so erlebe, wird auch ihre Signatur ganz klar. Schon ihre Farbe verrät ihre tiefe Verbindung zur Sonne. Ihr leuchtendes Orange trägt eine nährende Wärme in sich. Als Sonnenpflanze bringt sie Licht dorthin, wo etwas müde geworden ist, wo Heilung Zeit braucht und Zuversicht wachsen darf. In ihr wirkt das Element Feuer, nicht als Flamme, sondern als sanfte Glut, die wärmt und entzündete Prozesse beruhigt, auf körperlicher wie auf seelischer Ebene.
Gleichzeitig ist die Ringelblume durch ihre Ausdauer und ihre Bodenständigkeit tief mit dem Element Erde verbunden. Sie wächst weiter, blüht immer wieder neu und bleibt verlässlich, selbst wenn man sie schneidet oder erntet. Diese Verbindung von Feuer und Erde macht sie zu einer Pflanze, die Licht und Halt bringt, ohne zu verbrennen oder festzuhalten.

Beim Räuchern zeigt sich diese Qualität besonders fein. Der Rauch der Ringelblume ist mild, warm und weich, fast umhüllend. Sie wirkt ausgleichend auf das Nervensystem, beruhigt innere Unruhe und schenkt ein Gefühl von Geborgenheit. Besonders in Zeiten der Regeneration, nach Krankheit oder Operationen, wenn Körper und Seele Schutz und Geduld brauchen, eignet sie sich gut.
Ihre Räucherenergie unterstützt das Schliessen von Kreisen und das sanfte Loslassen alter Spannungen. Sie bringt Licht in innere Räume und hilft dabei, wieder Vertrauen in den eigenen Heilungsweg zu finden. Wie eine Sonne, die langsam wärmt, erinnert sie daran, dass Heilung geschehen darf, ohne dass wir sie antreiben müssen.
So verbindet die Ringelblume beim Räuchern Himmel und Erde, Licht und Körper, Feuer und Ruhe. Ihre Präsenz bringt Klarheit und stärkt, ohne zu überfordern. Sie erinnert uns daran, dass Heilung dort geschieht, wo wir uns sicher genug fühlen, um weich zu werden und uns selbst wieder zuzuwenden. Vielleicht zieht sie uns gerade in Phasen des Wandels deshalb so stark an, weil sie uns daran erinnert, dass es im Leben nicht immer um Wachstum im Sinne von mehr, schneller oder weiter geht, sondern um Pflege, um Hinwendung und um ein tieferes Ankommen im eigenen Sein. Sie wirkt in jenen Momenten, in denen der Körper deutlicher spricht als der Verstand und wir eingeladen sind, uns nicht weiter zusammenzunehmen, sondern uns tragen zu lassen.
Sie steht da, blühend, warm und unbeirrbar, und lädt uns ein, dem eigenen Körper wieder zu vertrauen, seinem Rhythmus zu lauschen und uns selbst mit der gleichen Milde zu begegnen, mit der sie uns begleitet. Genügt nicht genau das? Eine Pflanze, ein Moment der Wärme und das Wissen, dass wir nicht alleine sind auf diesem Weg.




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