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Zwischenräume

  • 16. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Zwischenräume. Ich mag dieses Wort. Vielleicht, weil sie so oft unterschätzt werden.

 

Kürzlich stellte ich in einer Instagram-Story die Frage, ob wir eigentlich einfach mal sein dürfen. Ohne etwas zu heilen oder zu lösen. Einfach da, mit allem, was gerade da ist. Darauf schrieb mir jemand zurück, das sei die Königsdisziplin. Darüber musste ich mal nachdenken.

 

Ist es wirklich eine Königsdisziplin? Oder war es einmal einfach das Natürlichste überhaupt?

Ich glaube, wir haben es verlernt. Uns wurde früh beigebracht, dass vom Dasitzen nichts entsteht. Wir müssen leisten, wachsen, weitergehen und uns entwickeln. Immer höher, weiter, tiefer. Und genau deshalb ist dieses einfache Sein heute für viele zu etwas geworden, das fast unerreichbar scheint.

 

Dabei sind genau diese Zwischenräume oft so wertvoll. Sie sind nicht immer Leere oder Warten. Manchmal sind es Zeiten, in denen das Leben einfach fliesst. Zeiten, in denen alles rund wirkt und es einfach stimmig ist. Man tut, was gerade da ist, ganz ohne Drang nach mehr.

Im Garten gibt es sie überall. Zwischen Aussaat und Ernte. Zwischen Knospe und Blüte. Zwischen dem ersten zarten Grün und der vollen Reife. Von aussen betrachtet scheint oft wenig zu geschehen, und doch passiert genau dort das Wesentliche. Unter der Erde wächst bereits etwas. Wurzeln suchen ihren Weg, Kräfte sammeln sich und das Leben bereitet sich vor.

 

Dieses Gefühl, dass gerade nichts fehlt, haben viele wohl verlernt. Zufriedenheit ist kein Stillstand. Nicht jeder «leere» Raum muss sofort gefüllt werden. Es müssen nicht immer Ideen fliessen und neue Projekte entstehen. Auch der nächste Schritt muss nicht immer geplant sein.

Ich bin ein Mensch mit vielen Ideen und auch bei mir kreist manchmal schon etwas im Hintergrund. Noch unfertig, aber lebendig. Ich habe gelernt, dass die vielen Ideen sich erst mal setzen dürfen. Sie sortieren sich dann oftmals von selbst, wenn ich ihnen Zeit lasse. Wie ein Same, der da ist und einfach seine Zeit kennt. Und genau das ist doch die Kunst in all dem. Wir müssen dem Neuen nicht ständig hinterherrennen, sondern ihm einfach Raum lassen, bis es von selbst Form annimmt.

 

Das hat für mich etwas sehr Mondiges. Manche Phase ist zum säen da, andere sind zum Reifen, zum Sein und zum Geniessen dessen, was bereits gewachsen ist. Die Natur erinnert uns immer wieder daran. Wachstum braucht nicht immer Bewegung. Reife braucht nicht immer Aktivität. Manchmal liegt das Wertvollste genau dazwischen.

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