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Wo Wünsche den Himmel berühren

  • 9. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit
Milchstrasse, Grindelwald-First
Milchstrasse, Grindelwald-First

Es gibt Nächte, bei denen es mich schon Tage vorher in den Fingern kribbelt, meine Sachen zu packen und in die Berge zu fahren. Die Nacht vom kommenden Mittwoch auf Donnerstag ist so eine.

Denn am 12. August kommen am Himmel gleich mehrere Dinge zusammen, die diese Nacht besonders machen. Die Perseiden erreichen ihren Höhepunkt und lassen zahlreiche Sternschnuppen über den Nachthimmel ziehen. Gleichzeitig ist Neumond, weshalb kein helles Mondlicht die Sicht auf die Sterne stört. Und bereits am Abend findet eine Sonnenfinsternis statt, die bei uns teilweise zu sehen sein wird. Was für ein HImmelstag.


Wer mich kennt und schon einmal einen Kurs bei mir besucht hat, weiss, wie sehr ich die Neumonde liebe. Und doch ist es diesmal gar nicht der Neumond allein, der mich so fasziniert. Es ist dieses wunderbare Zusammenspiel am Himmel.

Der Neumond steht für mich für Neubeginn, für diesen Moment, in dem etwas Neues entstehen darf und wir Wünsche, Absichten und Samen für die kommende Zeit legen. Gleichzeitig sorgt gerade dieser Neumond dafür, dass in dieser Nacht kein helles Mondlicht den Blick auf den Sternenhimmel erschwert. Über uns liegt ein dunkler Himmel und ausgerechnet dann ziehen die Perseiden ihre leuchtenden Spuren hindurch.

Ich finde allein diesen Gedanken wunderschön. Eine dunkle Neumondnacht, die für Neubeginn steht, und gleichzeitig Sternschnuppen, bei denen wir seit Kindertagen wissen, dass wir uns etwas wünschen dürfen. Wenn das keine Einladung zum Wünschen ist.


Milchstrasse, Safiental
Milchstrasse, Safiental

Der Sternenhimmel fasziniert mich schon mein ganzes Leben. In meiner Zeit als aktive Fotografin habe ich unzählige Nächte in den Bergen verbracht, um Sterne, Milchstrasse, Blutmonde und Sternschnuppen zu fotografieren. Oft stand ich mitten in der Nacht irgendwo auf einem Berg, neben mir Kamera und Stativ, über mir dieser unendlich grosse Himmel. Ich liebte diese Nächte, die Dunkelheit, die Stille und das Gefühl, weit weg von allem und gleichzeitig allem ganz nah zu sein.

Wer einmal eine wirklich dunkle Nacht in den Bergen erlebt hat, weiss, wie anders der Himmel dort aussieht. Schon mit zunehmender Höhe und fernab von künstlichem Licht tauchen Sterne auf, die wir unten kaum wahrnehmen. Plötzlich ist der Himmel nicht einfach schwarz. Er ist voll von unzähligen Lichtpunkten. Und obwohl meine Zeit als aktive Fotografin inzwischen vorbei ist, hat dieser Himmel nichts von seiner Faszination für mich verloren. Kein Wunder also, dass es mich gerade gewaltig kitzelt, wieder einmal nachts in die Höhe zu fahren.


Vielleicht packe ich am Mittwochabend tatsächlich meine Sachen und fahre noch einmal hinauf. Dorthin, wo es dunkel und still wird und der Himmel ein Stück näher scheint. Nur meine Kamera würde diesmal vermutlich zu Hause bleiben. Früher hätte ich versucht, möglichst viele Sternschnuppen einzufangen. Belichtungszeit einstellen, Bildausschnitt wählen, fokussieren, warten, kontrollieren und wieder von vorne beginnen.

Diesmal möchte ich sie einfach sehen. Mit meinen Augen, meinem offenen Herzen und ohne Display zwischen mir und dem Himmel. Ohne darüber nachzudenken, ob das Bild scharf geworden ist. Ich möchte dort sitzen, nach Nordosten schauen und warten, bis die erste Sternschnuppe über den Himmel zieht. Und dann werde ich mir etwas wünschen, oder zwei, oder siebenunddreissig. Denn wer hat eigentlich beschlossen, dass man sich bei einer Sternschnuppe nur einmal etwas wünschen darf?


Milchstrasse, Grindelwald-First
Milchstrasse, Grindelwald-First

Vielleicht ist genau diese Nacht eine wunderschöne Gelegenheit, dich zu fragen, was mit diesem Neumond neu beginnen darf. Was möchtest du in dein Leben einladen? Welchen Wunsch trägst du schon lange in dir? Und welchen davon möchtest du endlich einmal laut oder ganz still ins Universum schicken?

Du brauchst dafür kein grosses Ritual. Setz dich einfach nach draussen, ausgerüstet mit einer Decke und einer Thermoskanne Tee. Such dir einen möglichst dunklen Ort mit freiem Blick Richtung Nordosten und lass deinen Augen etwas Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Und dann geniesse. Lass deine Gedanken schweifen und deinen Blick immer tiefer in diesen unendlich weiten Himmel sinken.

Es hat etwas unglaublich Meditatives, einfach nur dazusitzen und nach oben zu schauen. Mit der Zeit werden die Gedanken ruhiger, die Geräusche um dich herum leiser und plötzlich entdeckst du immer mehr Sterne. Du musst nichts tun, nichts erreichen und auf nichts warten. Auch nicht auf die nächste Sternschnuppe.

Genau darin liegt für mich das Schönste dieser Nächte. Für einen Moment einfach da zu sein, unter diesem riesigen Himmel, und zu spüren, wie klein wir sind und wie gross gleichzeitig das Leben ist. Und wenn dann doch eine Sternschnuppe über den Himmel zieht, darfst du dir natürlich trotzdem etwas wünschen. Oder zwei, oder siebenunddreissig.

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