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Was zwischen den Dingen entsteht

  • 4. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Vor Kurzem durfte ich eine Tarotlegung für die Gewinnerin meines Insta-Gewinnspiels machen. Als ich sie fragte, welches Thema sie beschäftigt, erhielt ich eine Antwort, mit der ich im ersten Moment gar nicht gerechnet hatte. Sie sagte, sie hätte keine Fragen. Ich soll das legen, was «gerade kommt».

Nun, das ist ja mal wieder eine Herausforderung, dachte ich. Denn die meisten erhoffen sich vom Tarot Antworten. Sie wünschen sich Orientierung, eine Bestätigung oder einen Hinweis, wie es weitergehen könnte. Wie soll ich nun eine Legung machen, wenn gar keine Frage da ist?

Ich entschied mich für einen Seelenkompass. Eine Legung, die den Blick auf den gegenwärtigen Moment richtet. Wo stehst du gerade? Was trägt dich? Was fordert dich heraus? Was möchte wachsen? Welche Richtung zeigt sich? Während ich im Anschluss ihre Legung schrieb, wurde mir bewusst, dass es gar nicht immer eine konkrete Frage braucht, damit etwas in Bewegung kommt. Viel zu oft suchen wir nach Antworten, als dass wir uns wirklich Zeit nehmen, hinzuschauen.


Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Denn plötzlich erkannte ich einen roten Faden, der sich durch meine gesamte Arbeit zieht. Menschen fragen mich oft nach der richtigen Räuchermischung, nach der Bedeutung einer Pflanze, einer Tarotkarte oder danach, welcher Edelstein welche Wirkung hat. Das sind berechtigte Fragen. Wissen ist etwas Wunderbares. Ich lese selbst unglaublich gerne Bücher, bilde mich weiter und lerne nie aus. Und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass wir heute viel zu schnell nach Wissen greifen und dabei unsere eigene Wahrnehmung kaum noch zu Wort kommen lassen.


Es gibt unzählige Rezepte für Räuchermischungen. Bücher und das Internet empfehlen Pflanzen aus aller Welt, die oft Tausende Kilometer gereist sind. Dann frage ich mich manchmal, warum so selbstverständlich nach dem Exotischen gregriffen wird, während direkt vor unserer Haustüre Pflanzen wachsen, die seit Generationen Teil unserer Landschaft sind. Ich mische meine Räuchermischungen nie nach Rezept. Ich verbringe Zeit mit den Pflanzen. Ich beobachte sie, rieche an ihnen, ernte sie im Rhythmus der Natur und frage mich, welche Geschichte sie gemeinsam erzählen möchten. Nicht jede Mischung entsteht gleich. Und genau das liebe ich daran.

Ähnlich erlebe ich es beim Tarot. Natürlich könnte ich jede Karte sofort im Begleitbuch nachlesen. Doch bevor ich das tue, schaue ich sie erst einmal an. Welche Figur zieht meinen Blick an? Welche Farben fallen mir auf? Welche Stimmung entsteht? Was berührt mich an genau dieser Karte? Oft beginnt die eigentliche Botschaft bereits dort. Denn nicht nur die einzelnen Karten sprechen. Auch ihre Reihenfolge, ihre Verbindung und das Zusammenspiel erzählen eine Geschichte. Eine Geschichte, die sich nicht einfach nachlesen lässt, sondern sich erst in der Legung selbst zeigt.

Auch bei den Seelenbändern könnte man nach dem Erhalt jeden einzelnen Stein nachlesen, wofür er stehen soll oder welche Wirkung ihm zugeschrieben wird. Man kann das tun. Oder man hält das Seelenband einfach einen Moment in den Händen und begegnet ihm ohne den Wunsch, sofort alles verstehen zu müssen. Denn seine Kraft liegt für mich nicht in der Beschreibung jedes einzelnen Steins. Sie entsteht erst durch ihr Zusammenspiel.


Je länger ich diesen Weg gehe, desto mehr interessiert mich das, was zwischen den Dingen entsteht. Alles Einzelne hat seine ureigene Kraft und fasziniert mich. Und doch liebe ich das, was daraus wächst. Aus einzelnen Pflanzen entsteht eine Räuchermischung. Aus einzelnen Tarotkarten enttwickelt sich eine Geschichte und aus einzelnen Steinen wird ein kraftvolles Seelenband. Jedes entsteht aus vielen einzelnen Elementen. Seine eigentliche Botschaft zeigt sich jedoch erst im Zusammenspiel.


Das ist es, was mich an meiner Arbeit begeistert. Es geht nicht darum, möglichst viel zu wissen. Es geht darum, die Zusammenhänge zu erkennen. Denn Wissen erklärt das Einzelne. Das Zusammenspiel erzählt die Geschichte.


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