top of page

Was, wenn deine Intuition längst mit dir spricht?

  • 15. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Ich sitze an meinem Tisch und fädle Stein für Stein auf. Vor mir liegen die Edelsteine für ein neues Seelenband und ich bin ganz in meiner Arbeit versunken. Und plötzlich ist da eine Melodie. «Ballade pour Adeline». Einfach so. Ich habe das Stück weder kurz vorher gehört noch bewusst daran gedacht. Und trotzdem spielt es immer und immer wieder in meinem Kopf.

 

Mittlerweile weiss ich, dass solche Melodien oft eine Botschaft für mich tragen. Also beginne ich nachzuforschen. «Ballade pour Adeline» wurde für die neugeborene Tochter des Komponisten geschrieben. Eine Ballade für ein kleines Mädchen. Und die Frau, für die ich gerade das Seelenband fädle? Sie wird in ungefähr einem Monat Grossmama eines Mädchens.

Natürlich ist diese Melodie nur ein kleiner Teil der ganzen Seelenbotschaft. Ein feiner Faden, der sich darin einwebt. Das eigentliche Thema des Seelenbandes liegt viel tiefer und doch fügt sich auch diese Melodie auf wundersame Weise in das grosse Ganze ein.


Ein anderes Mal ist plötzlich «Grossvater» von Florian Ast da. Ein Lied über Dankbarkeit, Erinnerungen und eine gemeinsame Verbindung zur Musik. Und wieder passt es auf eine Weise zum Menschen hinter dem Seelenband, die ich mir mit meinem Kopf niemals hätte ausdenken können.

 

Oder wie wäre es mit dem Ballett «Schwanensee»? Ganz ehrlich, da sass ich zuerst einmal da und dachte, warum Schwanensee? Was genau willst du mir jetzt sagen? Die Melodie kenne ich natürlich. Aber um was geht es in dieser Geschichte eigentlich genau? Oder zeigt sich hier auf diese Weise der Schwan als Krafttier? Also beginne ich zu lesen. Ich tauche tiefer ein und stosse auf Täuschung, Lug und Betrug. Und genau darum geht es im Leben der künftigen Seelenband-Besitzerin. Um eine toxische Beziehung, um Täuschung und darum, sich aus dieser Verbindung zu lösen.

 

Ich kann solche Melodien nicht herbeizaubern. Manchmal kenne ich nicht einmal den Titel des Liedes, das plötzlich in meinem Kopf spielt. Dann summe oder singe ich meinem Handy die Melodie vor und hoffe, dass Google mit meiner höchst professionellen Gesangseinlage etwas anfangen kann. Erstaunlicherweise klappt das ziemlich oft.

Heute weiss ich, dass Musik eine der Sprachen ist, über die ich Botschaften wahrnehme. Das war nicht immer so. Früher stand ich morgens auf und hatte irgendeine Melodie im Kopf, einfach so. Ich dachte mir überhaupt nichts dabei. Das kennst du vielleicht auch. Du hast ein Lied im Kopf und fragst dich höchstens, wo um Himmels willen du das jetzt wieder aufgeschnappt hast.


Irgendwann begann ich, genauer hinzuhören. Ich bemerkte, dass diese Melodien später immer wieder eine Verbindung zu einem Seelenband bekamen. Wenn ich heute morgens aufstehe und aus dem Nichts eine Melodie in meinem Kopf spielt, weiss ich oft schon, dass dieses Lied zu einem Seelenband gehört. Zu welchem, weiss ich in diesem Moment meistens noch nicht. Und dann heisst es für mich: vertrauen. Meinem Gefühl vertrauen.

Denn meine Wahrnehmung kommt selten mit Pauken und Trompeten daher. Obwohl das bei meinem musikalischen Hintergrund ja eigentlich ganz passend wäre. Sie ist viel feiner. Manchmal ist es eine Melodie, ein Tier, das sich immer wieder zeigt. Eine Pflanze, die plötzlich da ist, oder ein Bild vor meinem inneren Auge.

Ich durfte zuerst lernen, meine ganz eigene Sprache der Wahrnehmung zu erkennen. Und wenn ich heute darüber nachdenke, begleitet mich diese Sprache wohl schon viel länger.

 

Als mein geliebter Papi starb, begegneten mir plötzlich überall Amseln. Immer wieder. Kurz nach seiner Beisetzung stand ich an seinem Grab und da kam eine Amsel. Sie setzte sich vielleicht 80 Zentimeter von mir entfernt direkt auf seinen Grabstein. Ich stand einfach da.

Mein Papi und ich waren gemeinsam in einer Musikgesellschaft. Musik war etwas, das uns verbunden hat. Und vor mir sass eine Amsel. Ein Vogel mit einer unverkennbaren Stimme und einem wunderschönen Gesang. War es ein Zeichen meines Papis? Ich kann es dir nicht beweisen. Für mich war die Amsel, die an den unmöglichsten Orten auftauchte, jedesmal eine Erinnerung, ein Gruss und ein Zeichen.


Und genau darum geht es für mich heute, wenn wir von Intuition sprechen. Wir suchen so oft nach Beweisen. Zweifeln an unserer Wahrnehmung, erklären Erlebtes zum Zufall und fragen uns, ob wir uns das alles nur einbilden. Und immer wieder ist da diese Unsicherheit, ob ich die Botschaft wirklich richtig verstanden habe.

 

Oh ja, diese Fragen kenne ich sehr gut. Auch ich durfte lernen, meinem Gefühl zu vertrauen. Die Melodien waren wohl schon lange da. Ich hatte einfach noch nicht erkannt, dass sie eine Sprache sein könnten. Heute höre ich hin. Ich forsche nach, wenn ich etwas nicht verstehe. Ich lese die Geschichten hinter Melodien und Balladen und summe Google Lieder vor. Und manchmal sitze ich danach einfach nur da und staune.

 

Intuition hat viele Sprachen. Sie zeigt sich in Träumen, Tieren, Worten, Düften, Bildern, Melodien oder in einem Gedanken, der immer und immer wieder auftaucht. Und ich glaube, es geht viel weniger darum, etwas Besonderes zu können. Es geht darum, aufmerksam zu werden. Hinzuhören,  hinzuspüren und der eigenen Wahrnehmung Stück für Stück mehr zu vertrauen. Denn was, wenn deine Intuition längst mit dir spricht und du ihre Sprache einfach noch nicht erkannt hast?

 

Schenk all den kleinen Dingen, die sich immer wieder zeigen, ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Denn manchmal erkennen wir die Sprache unserer Intuition erst, wenn wir beginnen, wirklich hinzuhören.

Kommentare


bottom of page