... und wenn du fühlst, hörst du dir auch wirklich zu?
- 9. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Kürzlich schrieb ich einen Blog zum Thema authentisch sein. Darum, wie wir uns zeigen, wie wir sprechen, wie wir nach aussen wirken und ob das wirklich uns entspricht. Doch je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass Authentizität nur ein Teil des Ganzen ist. Denn was bringt es, echt zu wirken, wenn die Basis darunter nicht stimmt?
Als ich kürzlich durch den Wald bikte, und mir dabei die Bäume ansah, fiel mir ein Vergleich zu uns Menschen ein. Manche Bäume sind gross und kraftvoll, andere schief gewachsen, wieder andere ganz fein und unscheinbar. Und doch steht keiner da und stellt sich die Frage, ob er genug ist. Keiner vergleicht sich, keiner versucht, jemand anderes zu sein. Jeder wächst auf seine Weise und genau darin liegt seine Kraft.
Wir sprechen oft davon, dass wir uns selbst lieben, uns wertschätzen und an uns glauben sollen. Doch für viele bleibt das ein schöner Gedanke, der sich im Alltag kaum greifen lässt. Denn was bedeutet das wirklich, wenn du dich müde fühlst, unsicher bist oder merkst, dass du dich selbst irgendwo auf dem Weg ein Stück verloren hast?
Ich habe lange geglaubt, Selbstwert sei etwas, das ich mir erarbeiten muss. Dass ich erst genug leisten, genug können oder genug sein muss, um mich wirklich anzuerkennen. Und gleichzeitig habe ich gemerkt, wie schnell dieser Wert ins Wanken gerät, sobald er vom Aussen abhängig ist.
Ich erinnerte mich an eine Situation, die schon einige Jahre zurückliegt. Eine Zeit, in der es mir nicht gut ging, in der vieles schwer war und sich nicht mehr stimmig angefühlt hat. Ich stand damals vor dem Spiegel, schaute mir bewusst in die Augen und stellte mir eine Frage, die ich bis heute nicht vergessen habe: «Sind das eigentlich noch deine Werte, die du da lebst?»
Die Antwort kam sofort. Ein klares Nein, ohne Erklärungen, einfach ehrlich. Und genau dieser Moment hat etwas in mir verändert. Nicht von heute auf morgen im Aussen, aber in mir drin. Denn plötzlich ging es nicht mehr darum, wie ich wirke oder ob alles nach aussen stimmig erscheint. Es ging darum, ob ich mir selbst noch treu bin.

Selbstwert bedeutet für mich heute nicht, dass ich mich immer gut fühle oder alles an mir liebe. Es bedeutet, dass ich mich ernst nehme und spüre, wenn etwas nicht mehr stimmig ist. In diesem Moment kann ich beginnen, wieder näher zu mir zu kommen. Denn Selbstwert geht viel tiefer als alles, was wir nach aussen zeigen.
Die Frage ist dann nicht nur, was du erkennst, sondern was du damit machst. Denn dieser Moment kann zwei Richtungen nehmen. Du kannst ihn wegschieben, relativieren und dir erklären, warum es gerade nicht anders geht. Oder du bleibst einen Moment genau dort, in dieser Ehrlichkeit.
Man kann nicht von einem Tag auf den anderen alles verändern. Es ist vielmehr ein langsames
Zurückkommen. Was fühlt sich für mich eigentlich stimmig an? Wo habe ich begonnen, mich anzupassen, obwohl es sich nicht gut anfühlt? Und wo kann ich heute, ganz klein anfangen, wieder einen Schritt näher zu mir zu machen?
Manchmal sind es keine grossen Entscheidungen. Manchmal ist es einfach ein ehrliches Nein, wo du früher Ja gesagt hättest. Ein Innehalten, bevor du automatisch reagierst. Oder ein Moment, in dem du dich selbst ernst nimmst, auch wenn es im Aussen vielleicht nicht verstanden wird. Selbstwert zeigt sich genau dort, in diesen Entscheidungen für dich.
Dieser Moment vor dem Spiegel hat damals etwas in mir verändert. Ich konnte nicht mehr wegschauen, weil ich begonnen haben, mich selbst wieder wahrzunehmen. Vielleicht ist es wie bei den Bäumen im Wald. Keiner von ihnen fragt sich, ob er richtig ist. Jeder wächst aus seiner eigenen Mitte heraus. Und genau das haben wir oft verlernt.
Echter Selbstwert beginnt dort, wo du wieder zurückkommst. Nicht zu einer perfekten Version von dir. Aber zu dem, was in dir schon längst da ist.



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