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Holunder - da wo sich Frau Holle versteckt



Lange mochte ich den Holunder nicht wirklich. Ausser im «Hugo», dem spritzigen, erfrischenden Drink, da fand ich den Holundersirup sehr passend. Meine Meinung zum Holunder habe ich aber komplett geändert. Dies, nachdem ich in meinen Aus- und Weiterbildungen ein paar Erlebnisse mit ihm hatte. Ich könnte seitenweise über den Holunder schreiben. Da ist so viel Geschichte drin.


Der Schwellenbaum zur Anderswelt

In vielen Kulturen, aber auch im Aberglauben unserer Vorfahren, spielte der Holunder eine grosse Rolle. Oftmals wurden in ihm Göttinnen und gute Geister verehrt. So war es früher im ländlichen Bereich üblich, beim Haus eine Hollerstaude zu haben - ein Garant für Glück und Gesundheit. Wer achtlos einen Holunder stutzte oder gar fällte, dem drohte Unglück, Krankheit oder der sichere Tod. Denn der heilige und segensreiche Holler ist der Wohnsitz der guten Hausgöttin Frau Holle und verbindet die Ober- mit der Unterwelt. Der Holunder ist somit ein Schwellenhütter. Er wacht über die Grenzen zwischen den Welten und ist gleichzeitig das Tor zur Anderswelt.

Astrologisch ist der Holunder der Venus, dem Mond und dem Sternzeichen Krebs zugeordnet. Also eine pure, weibliche Energie, welche dann auch beim Räuchern unsere weiblichen Kräfte und die Intuition fördert.


Eine Pflanze mit vielen Gegensätzen

Wenn der Holunder blüht, ist Frühsommer. Der unverkennbare Holunderduft liegt in der Luft. Der Holunder läutet die Zeit der Wärme, Blütenfülle und der Leichtigkeit ein. Nicht die Eisheiligen sollen bestimmen, wann du deinen Garten bepflanzen sollst, sondern der Holunder. Es kann sogar vorkommen, dass er noch einzelne, strahlend weisse Blüten trägt - ein Zeichen des Neubeginns und gleichzeitig bereits dunkle Beeren - ein Zeichen der Vollendung. Der Holunder vereint so viele Gegensätze:

  • weisse Blüten, schwarze Beeren

  • ungiftige Blüten, giftige Beeren (Giftstoff Sambunigrin, welches sich bei knapp 80°C zersetzt)

  • Glück und Pech (Glücksmarie, Pechmarie)

  • Verbindung von Himmel und Erde

Die duftenden Blüten sammelt man an einem sonnigen Tag, am besten nach ein paar trockenen Tagen. Denn dann sind die Blüten voller Blütenstaub, und dieser ist zuständig für den intensiven Geschmack.

Ein Tee aus Holunderblüten ist bei den ersten Anzeichen einer Erkältung eine wunderbare Schwitzkur. Seine entzündungshemmende Wirkung bringt wahre Wunder. Im Herbst kann man zur Stärkung des Immunsystems oder als altbewährtes Hausmittel gegen Grippe täglich zwei bis drei Esslöffel vom schwarzen Holunderbeersaft einnehmen.


Mein Aha-Erlebnis

In meinem ersten Räucherkurs, den ich besuchte, zogen wir am Morgen als erstes eine Kräuterkarte. Diese sollte uns einen Hinweis zu uns selbst geben. Ich war erstaunt, zog ich den Holunder, konnte ich doch so gar nichts mit ihm anfangen. Er soll mich erkennen lassen, wann der richtige Zeitpunkt für etwas gekommen ist und meine intuitive Wahrnehmung und auch die Hellsicht fördern. Zudem soll er mich im Finden meiner neuen Lebensaufgabe unterstützen. Okay, ich nahm das mal so an.

Kurz vor Kursende zogen wir dann noch einmal eine Karte aus dem Kräuterorakel. Ich zog nochmals den Holunder... So befasste ich mich die Tage und Wochen danach intensiver mit dem Holunder. Ich begann, am Morgen anstelle einer Teemischung einen puren Holundertee zu trinken und mochte diesen mit jedem Tag mehr.

Es lohnt sich, mit dem Holunder in der Küche zu experimentieren. Er lässt sich mit vielen Früchten wunderbar kombinieren und bei mir sind schon Köstlichkeiten wie Gelees, Konfitüren, Sirup und ein Likör entstanden. Im Winter habe ich mit den getrockneten Holunderblüten und Blutorangen eine erfrischend feine Konfitüre hergestellt und sie ist auch heute noch mein absoluter Favorit.

Letzten Frühling habe ich den Holunder mit der Rose kombiniert und daraus unter anderem einen Sirup gemacht. Dazu erscheint in den nächsten Tagen ein weiterer Blogbeitrag mit einigen Rezepten.


Räuchern mit den Holunder

Auch beim Räuchern ist eine Liebe zwischen dem Holunder und mir entstanden. Er ist eine wahre Kraftpflanze für Übergangsrituale. Seine Wirkung ist entspannend, segnend, schützend und heilend. Er stärkt die intuitive Wahrnehmung, fördert die Hellsicht und ist eine Schutzpflanze. Er heilt unsere Seele und lässt uns zur Ruhe kommen. Sind wir unentschlossen, lässt uns der Holunder den richtigen Zeitpunkt erkennen und macht uns Mut für den nächsten Schritt.

Holunder am Sterbebett verräuchert, erleichtert den Sterbenden den Übergang in die Anderswelt. Die im Haus verbleibenden Energien des verstorbenen Familienmitglieds werden durch Holunderrauch gelöst und transformiert. Gibt man dem Holunder noch Mädesüss und Weissdorn hinzu, hilft diese Räucherung beim Loslassen. Ich räuchere ihn auch gerne für Neubeginne wie z.B. beim Einzug in ein neues Heim.


Wir haben einen schönen Holunder im Hühnergehege. Ich besuche ihn oft, da er gerne von den Läusen befallen wird. Dann spritze ich ihn abwechselnd homöopathisch und mit EM. Der Erfolg gibt mir recht und ich werde auch in diesem Jahr läusefreie Holunderdolden sammeln können.

Die Holundergöttin spürt wohl aber auch meine neu entfachte Liebe zum Holunder. Denn auf unserem Grundstück haben sich wie aus dem Nichts heraus drei Holunder angesiedelt. Teilweise nicht an den besten Plätzen und ich werde sie wohl noch umplatzieren müssen. Aber sie wachsen stark vor sich hin. Den Schutz dieser grossartigen Pflanze nehme ich doch gerne an.


Danke Frau Holle.


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